Maritimes Glossar

Fachbegriffe der Short-Sea-Befrachtung – verständlich erklärt

Die Schiffsmaklerei lebt von präziser Sprache. Dieses Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe der Befrachtung und des Kurzstreckenseeverkehrs – als Nachschlagewerk für Verlader, Befrachter und alle, die mit GIMAR zusammenarbeiten.

48 Fachbegriffe

Vertrags- & Charterarten

Befrachtung Noleggio · Chartering

Die Vermittlung und der Abschluss von Verträgen über den Transport von Ladung per Schiff. Der Befrachter bringt Ladung und Schiffsraum zusammen und handelt die Frachtkonditionen aus.

Charterpartie (C/P) Charter Party · Charter Party

Der Frachtvertrag zwischen Schiffseigner und Charterer. Er regelt Ladung, Häfen, Raten, Liegezeit und Haftung; gängige Standardformulare stammen u. a. von BIMCO.

Konnossement (B/L) Polizza di carico · Bill of Lading

Das vom Verfrachter ausgestellte Seefrachtdokument. Es ist zugleich Empfangsbestätigung der Ladung, Beweis des Frachtvertrags und – als Traditionspapier – Wertpapier, das die Ware repräsentiert.

Reisecharter Noleggio a viaggio · Voyage Charter

Charter für eine einzelne, definierte Reise von Lade- zu Löschhafen. Der Reeder trägt die Schiffsbetriebskosten; bezahlt wird je Tonne Ladung oder pauschal (Lumpsum).

Zeitcharter (T/C) Noleggio a tempo · Time Charter

Anmietung des Schiffs für einen festen Zeitraum gegen eine Tagesrate (Hire). Der Charterer bestimmt die kommerzielle Verwendung und trägt Bunker- und Hafenkosten, der Reeder die Mannschaft und Technik.

Period Time Charter (Period T/C) Noleggio a tempo per periodo · Period Time Charter

Zeitcharter über einen längeren, fest vereinbarten Zeitraum (Monate bis Jahre). In Marktphasen mit niedrigen Raten ein Hebel, um Tonnage günstig zu sichern.

Trip-Charter (TCT) Noleggio a tempo per viaggio · Trip Time Charter

Zeitcharter, die auf eine einzelne Reise oder Rundreise begrenzt ist – Mischform aus Zeit- und Reisecharter.

Bareboat-Charter Noleggio a scafo nudo · Bareboat Charter

Vermietung des „nackten" Schiffs ohne Besatzung und Ausrüstung. Der Charterer übernimmt Bemannung, Versicherung und Betrieb und tritt faktisch als Disponent-Eigner auf.

Contract of Affreightment (COA) Contratto di trasporto (COA) · Contract of Affreightment

Mengenvertrag über die Beförderung einer bestimmten Gütermenge in mehreren Teilladungen über einen Zeitraum, ohne ein konkretes Schiff festzulegen. Sichert Ladungsbasis und ist Grundlage planbarer Auslastung.

Spot-Markt Mercato spot · Spot Market

Kurzfristiges Einzelgeschäft zu tagesaktuellen Raten, meist als Reisecharter. Hohe Flexibilität, aber volle Marktpreis-Schwankung.

Fixture Fixture (conclusione)

Der verbindliche Abschluss einer Charter. „Fixed" bedeutet, dass sich Eigner und Charterer auf alle Hauptbedingungen geeinigt haben.

Ladung & Frachtarten

Fracht / Frachtrate Nolo · Freight / Freight Rate

Das Entgelt für die Beförderung der Ladung, meist je Tonne oder als Pauschale (Lumpsum). Die Frachtrate ist der zentrale Preis im Befrachtungsgeschäft.

Trockenmassengut (Dry Bulk) Rinfuse secche · Dry Bulk

Lose geschüttete trockene Ladung ohne Verpackung – etwa Getreide, Dünger, Kohle, Erz oder Schrott.

Stückgut (General Cargo / Breakbulk) Merce varia / Breakbulk · General Cargo / Breakbulk

Einzeln gehandhabte, verpackte oder kolliweise Ladung (Paletten, Bunde, Kisten, Stahlprodukte) – im Gegensatz zu loser Massen- oder Containerladung.

Projektladung (Project Cargo) Carichi di progetto · Project Cargo

Große, komplexe und oft überdimensionierte Einzelladungen wie Anlagenteile, Maschinen oder Windkraftkomponenten, die individuelle Stau- und Transportplanung erfordern.

Schwergut (Heavy Lift) Carichi pesanti · Heavy Lift

Besonders schwere Einzelkolli, die spezielle Kräne oder Schwergutschiffe erfordern – ein Spezialfall der Projektladung.

Agrarmassengut (Agribulk) Rinfuse agricole · Agribulk

Landwirtschaftliche Schüttgüter wie Getreide, Ölsaaten, Futtermittel oder Dünger – ein offenes Short-Sea-Segment außerhalb der Stahllogistik.

Gefahrgut (IMDG) Merci pericolose (IMDG) · Dangerous Goods (IMDG)

Ladung mit besonderem Gefahrenpotenzial, geregelt im IMDG-Code der IMO. Erfordert besondere Deklaration, Stauung und Dokumentation.

Staufaktor (Stowage Factor) Fattore di stiva · Stowage Factor

Das Volumen, das eine Gewichtseinheit einer Ladung im Laderaum einnimmt (z. B. m³/t). Er entscheidet, ob ein Schiff durch Gewicht oder durch Volumen begrenzt wird – zentral für die Auslastung bei Stück- und Schüttgut.

Liegezeit & Hafenabwicklung

Liegezeit (Laytime) Stallia · Laytime

Die im Vertrag vereinbarte Zeit, die dem Charterer für das Laden und Löschen zur Verfügung steht, ohne dass Zusatzkosten anfallen.

Laycan

Aus „Laydays/Cancelling": das Zeitfenster, in dem das Schiff ladebereit im Hafen eintreffen muss. Trifft es nach dem Cancelling-Datum ein, kann der Charterer die Charter stornieren.

Überliegegeld (Demurrage) Controstallia · Demurrage

Entschädigung, die der Charterer dem Reeder zahlt, wenn die vereinbarte Liegezeit überschritten wird.

Eilgeld (Despatch) Premio di celerità (despatch) · Despatch

Bonus, den der Reeder dem Charterer zahlt, wenn schneller als die vereinbarte Liegezeit geladen oder gelöscht wird – das Gegenstück zu Demurrage.

Notice of Readiness (NOR) Notice of Readiness

Die formelle Mitteilung des Kapitäns, dass das Schiff ladebereit angekommen ist. Mit gültiger NOR beginnt in der Regel die Liegezeit zu laufen.

Free In/Out (FIO) Free In/Out

Frachtklausel, bei der die Kosten für Laden und Löschen nicht beim Reeder, sondern beim Charterer/Verlader liegen. Varianten: FIOS (inkl. Stauen), FIOST (inkl. Stauen & Trimmen).

Schiffstypen & Technik

Multipurpose-Frachtschiff (MPP) Nave multipurpose (MPP) · Multipurpose Vessel (MPP)

Vielseitiger Frachter für unterschiedliche Ladungsarten – Stückgut, Schüttgut, Projekt- und Schwergut. Der klassische Arbeitsesel des europäischen Short-Sea-Verkehrs.

Coaster Nave costiera (coaster)

Kleiner Küstenmotorfrachter für den Kurzstreckenverkehr, typischerweise mit geringem Tiefgang für Flüsse, Kanäle und kleine Häfen.

Tragfähigkeit (dwt) Portata lorda (dwt) · Deadweight Tonnage (dwt)

Deadweight Tonnage: das gesamte Gewicht in Tonnen, das ein Schiff tragen kann (Ladung, Bunker, Vorräte, Ballast). Zentrale Kennzahl der Transportkapazität.

Bruttoraumzahl (GT) Stazza lorda (GT) · Gross Tonnage (GT)

Maß für das gesamte umbaute Volumen eines Schiffs. Grundlage für Gebühren, Bemannung und regulatorische Einstufungen – nicht zu verwechseln mit der Tragfähigkeit (dwt).

Gearless / Geared Senza/con gru di bordo

„Geared" bezeichnet Schiffe mit eigenen Bordkränen, „gearless" solche ohne. Gearless-Schiffe sind auf Hafen­kräne angewiesen, dafür oft günstiger und einfacher.

Eisklasse (Ice Class) Classe ghiaccio · Ice Class

Verstärkte Bauweise, die den Einsatz in eisbedecktem Gewässer (z. B. nördliche Ostsee im Winter) erlaubt. Erhöht Bau- und Betriebskosten und ist nicht für alle Fahrtgebiete nötig.

Zwischendeck (Tween Deck) Ponte intermedio (tween deck) · Tween Deck

Einziehbares oder festes Zwischendeck im Laderaum, das die Stauung empfindlicher oder gemischter Ladung verbessert – typisch für MPP-Schiffe.

Ballast / Ballastreise Zavorra / viaggio in zavorra · Ballast / Ballast Voyage

Leerfahrt ohne Ladung, bei der Ballastwasser für Stabilität sorgt. Ballastreisen verursachen Kosten ohne Frachterlös und sind in der Routenplanung zu minimieren.

Markt & Kommerzielles

Kurzstreckenseeverkehr (Short Sea Shipping) Trasporto marittimo a corto raggio · Short Sea Shipping

Seetransport über kürzere, meist innereuropäische Distanzen (Ostsee, Nordsee, Mittelmeer, Schwarzes Meer) statt über die Ozeane. GIMARs Kerngeschäft.

Time Charter Equivalent (TCE) Time Charter Equivalent

Kennzahl für den Tageserlös einer Reise nach Abzug der Reisekosten (Bunker, Hafen, Kanäle). Macht Reise- und Zeitchartern vergleichbar.

Bunker / Bunkering Combustibile / rifornimento (bunkering)

Schiffstreibstoff bzw. das Übernehmen von Treibstoff. Bunkerkosten sind einer der größten und volatilsten Posten der Reiserechnung.

Forward Freight Agreement (FFA) Forward Freight Agreement

Börsengehandeltes Termingeschäft auf zukünftige Frachtraten. Dient der Absicherung gegen Ratenschwankungen oder als „zweite Meinung" zum Markt.

Reeder (Owner) Armatore · Shipowner

Eigner des Schiffs, der es betreibt oder verchartert. Trägt je nach Vertragsart die technische und/oder kommerzielle Verantwortung.

Operator Operatore

Akteur, der Schiffe (häufig eingechartert) kommerziell einsetzt und das Marktrisiko zwischen eingekaufter Tonnage und verkaufter Ladung trägt.

Kommerzielles Management (Commercial Management) Gestione commerciale · Commercial Management

Die kaufmännische Steuerung eines Schiffs für einen Reeder: Befrachtung, Ratenverhandlung, Disposition und Ladungsakquise – ohne technisches Bereederungsrisiko.

Schiffsmakler (Shipbroker) Mediatore marittimo · Shipbroker

Unabhängiger Vermittler zwischen Reedern, Befrachtern und Verladern, der Charter- oder Kaufverträge anbahnt und gegen Provision (Commission) abschließt.

Positions-/Tonnageliste Lista delle posizioni/tonnellaggio · Position / Tonnage List

Übersicht verfügbarer Schiffe mit Position, Freidatum und Größe. Grundlage des täglichen Matchings von Tonnage und Ladung.

Provision (Brokerage & Adresskommission) Provvigione · Commission

Brokerage ist die Vermittlungsprovision des Schiffsmaklers (meist 1,25–2,5 % von Fracht oder Hire). Die Adresskommission („address commission") ist dagegen ein Abzug, den der Charterer für sich selbst einbehält.

Regulierung & Organisationen

BIMCO

Baltic and International Maritime Council – der größte internationale Schifffahrtsverband. Gibt anerkannte Standard-Charterpartien heraus; GIMAR ist Mitglied. (Wikidata Q801437)

FONASBA

Federation of National Associations of Ship Brokers and Agents – internationaler Dachverband der Schiffsmakler und -agenten, der Berufsstandards setzt.

EU-ETS (Schifffahrt) EU-ETS (settore marittimo) · EU ETS (Shipping)

Europäisches Emissionshandelssystem, das seit 2024 auch die Seeschifffahrt erfasst. Verteuert CO₂-intensive Tonnage und macht effiziente Eco-Schiffe wettbewerbsfähiger.

FuelEU Maritime

EU-Verordnung, die ab 2025 die Treibhausgas-Intensität des an Bord genutzten Energiemixes begrenzt. Verstärkt den Vorteil verbrauchsarmer und alternativ betriebener Schiffe.

IMO

International Maritime Organization – die UN-Sonderorganisation für Sicherheit, Umweltschutz und Regulierung der internationalen Seeschifffahrt.

Quelle: Wikidata Q140091196